Predigt zu Lukas 3,15-17, 31-22; Taufe unseres Herrn – 10. Januar 2016

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Wie würde unser Jahr ohne all die besonderen Festtage, Gedenktage und Feiern aussehen? Seit prӓhistorischen Zeiten haben Menschen nicht nur tagaus, tagein gesammelt und gejagt und ums Überleben gekӓmpft, sondern haben ab und zu innegehalten, um das Leben zu feiern, wie z.B. die Ernte, die Sommersonnenwende und die Wintersonnenwende. Uralte Monumente wie in Stonehenge in England zeigen uns deutlich, daβ Menschen von jeher das Geheimnis des Lebens mit Ehrfurcht betrachtet haben und spezieller Tage und Zeiten gedacht haben. Es gab von jeher heilige Zeiten.

 

Wir feiern immer noch gerne, selbst in diesen postmoderen Zeiten. Und selbst jene, die nicht so religӧs sind und denen ein religiӧser Kalender mit seinen Zeiten der Buβe und des Feierns, des Fastens und des Schlemmens, der Dunkelheit und des Lichts, der Trauer und der Freude so ziemlich egal ist, feiern und gedenken doch noch der besonderen Tage im Leben, z.B. and Geburtstagen, und Jubilӓen. Wir als Christen haben natürlich unsere besonderen Tage – Ostern und Weihnachten sind uns besondern wichtig.

 

Diese besonderen Tage und Zeiten sind wie Meilensteine, die uns auf dem rechten Weg halten, die uns den Weg weisen, und, wenn Sie an all die freudigen Feste denken, uns auch Hoffnung geben. Was wӓre, wen nein Tag wie der andere wӓre? Was, wenn wir nicht ab und zu mal innehalten würden, um, wie unsere Urahnen, das Geheimnis des Lebens mit Ehrfurcht zu betrachten, und das Geheimnis Gottes mit Ehrfurcht zu betrachten? Das Leben wӓre wohl recht monoton und langweilig.

 

Selbst unsere Tradition, nur einen Tag in der Woche als einen geheiligten Tag zu designieren, so wie es uns in den Zehn Geboten befohlen wird, und den Sabbath zu halten – diesen einen Tag, an dem es uns nicht nur erlaubt, sondern geboten ist, innezuhalten, uns auszuruhen und Gott zu danken – erinnert uns daran, daβ es in unserem Leben um soviel mehr geht als nur um unsere Nӧte uns Begehren.

 

Und so erinnern wir uns jedes Jahr zu dieser Zeit an die Taufe unseres Herrn, Jesus Christus. Nun ist dies nicht unbedingt ein Festtag, der uns oder anderen Christen besonders wichtig erscheint. Doch ist die Taufe Jesu ein Ereignis, das schon den Urchristen so wichtig war, daβ sie einen Tag im Jahr dazu bestimmten, dieses Ereignisses zu gedenken.

Soviele Dinge verbinden wir mit der Taufe: Reinigung, Erfrischung, doch dann auch das Ertrӓnken des Alten. Ein Reinigungsritual gab es in vielen Religionen, auch im Judentum, lange bevor es die Taufe gab. Aber Johannes der Tӓufer fügte eine besondere Dimension hinzu: die Buβe, die Umkehr, das Verӓndern des Lebenswandels. Johannes dem Tӓufer zufolge ist Taufe nicht nur das Abwaschen der Sünde, so daβ sich die Menschen daraufhin wieder beschmutzen kӧnnen und dann zur erneuten Reinigung wiederkommen. Nein, diese Taufe war dazu bestimmt, ein für allemal das Herz und den Sinn zu ӓndern.

 

Die junge christliche Gemeinde übernahm das Taufritual im Sinne des Johannes, doch ging sie dann noch einen wesentlichen Schritt weiter: Paulus sagt, daβ in der Taufe der ‘alte Adam’ ersӓuft wird, also unsere sündige Natur, so daβ wir ein neues Leben in Christus empfangen kӧnnen. Das heiβt nun nicht, daβ die Taufe uns allem Übel und aller Sünde und Schuld gegenüber immun macht. Martin Luther stellte klar, in seiner sehr direkten Sprache, daβ der alte Adam zwar in den Taufwassern ersӓuft würde, aber daβ der elende Schuft ein sehr guter Schwimmer ist. Aber wir werden durch die Taufe vor den Konsequenzen der Sünde bewahrt: denn in der Taufe empfangen wir Gottes Vergebung und Gnade und den Zuspruch, daβ wir auf immer Gottes eigen sind.

 

Nun fragen sich so einige Leute, unter ihnen auch Theologen: warum war die Taufe Jesu nӧtig? Warum bedurfte Jesus der Reinigung? Gab es da etwas in Jesus, daβ ersӓuft werden muβte? Aber war Jesus nicht makellos als Gottes Sohn?

 

Nun gehen die Meinungen über diese Frage auseinander, aber ich denke, es hat schon etwas mit einem Neuanfang zu tun. Schlieβlich führte Jesus ca. 30 Jahre lang ein recht unauffӓlliges Leben als Zimmermann in Nazareth. In Jesu Taufe beginnt seine Mission. Sein Leben wird auf den Kopf gestellt. Gott selbst verkündet, daβ Jesus sein geliebter Sohn ist, und sendet den Heiligen Geist, um diese Aussage zu bekrӓftigen. Und so sind all jene, die seitdem auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft worden sind, in dasselbe innige und vielschichtige Verhӓltnis aufgenommen worden, das Gott mit seinem Sohn Jesus Christus hatte. Und so werden auch wir noch heute durch die Taufe gereinigt, erfrischt, verӓndert und erneuert und als Gottes Kinder angenommen. Darüber hinaus empfangen auch wir den Heiligen Geist, welcher bei uns und in uns wohnt, und durch welchen wir Gottes Gegenwart spüren. Ein neues Leben in Gott beginnt für uns in der Taufe, und wir werden dazu berufen, auf neuen Wegen zu gehen.

 

Es scheint, als würden wir dies hӓufig vergessen. Es ist so leicht, durch die Hӧhen und Tiefen des Lebens von dieser Zuversicht abgelenkt oder auch entmutigt zu werden. Es ist so leicht, zu vergessen, daβ wir wahrlich Gottes Kinder sind, und daβ nichts, aber auch gar nichts, uns von der Liebe Gottes trennen kann. Es ist so leicht, zu vergessen, daβ wir als Getaufte erneuert worden sind, und daβ das Geschenk der Gnade auch eine Verantwortung ist, selbst gnӓdig und gandenvoll zu leben – als erlӧste Kinder des Lichts.

 

Es scheint, als würden Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit hӓufig die Oberhand in unserem Leben und dieser Welt gewinnen.

 

Und wenn wir unsere eigene Taufe vergessen, umso mehr vergessen wir die Taufe anderer; und dann sehen wir in unseren Mitmenschen eben nicht das kostbare Kind Gottes, das mit dem Kreuz Christi auf immer und ewig versiegelt ist, z.B. in unseren Arbeitskollegen, oder den Menschen, denen wir tagtӓglich begegnen, den Obdachlosen, die uns um Geld anbetteln, und all denen, die unsere Gesellschaft aufegegeben und vergessen hat. Aber Taufe und Erlӧsung sind keine Privatsache. Es geht nicht um meinen Gott und meinen Erlӧser, sondern um den Gott, der den gesamten Erdkreis mit sich versӧhnt. Wir sind eine Familie von Getauften und werden, als Gottes Kinder, zu Schwestern und Brüdern. Wir sind eine Gemeinschaft. Und als solche sind wir dazu aufgerufen, uns umeinander zu kümmern und aufeinander achtzugeben.

 

Wir müssen uns immer daran erinnern, daβ wir nicht die einzigen Auserwӓhlten sind, und daβ wir all unsere Schwestern und Brüder mit der Würde behandeln, die sie als Mitgetaufte verdienen – als die, die mit derselben Taufe getauft wurden, mit der Christus getauft wurde.

 

So lassen Sie uns heute daran erinnern: du bist getauft. Wir sind getauft, in die Gemeinschaft aller Heiligen. Du bist Gottes. Wir sind Gottes. Egal, was passiert. In der Taufe hat Gott dieses ganz besondere Band geschaffen, einen Bund, einen Vetrag: du bist mein geliebtes Kind, und an dir habe ich Wohlgefallen. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlӧst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

 

Und dies ist ein Zuspruch und ein Versprechen, das uns nichts und niemand nehmen kann. Dies ist das Licht, das uns auf unserem Lebensweg leuchtet, da wir des Geheimnisse des Lebens und des Geheimnisses Gottes gedenken und es feiern.

Amen