Reflektion zur Passionszeit; Veränderungen – 3. März 2016

journey

“Liebe Kinder, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen. Und wie ich zu den Juden sagte, sage ich nun auch euch: Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen.”

Johannes 13,33 – Lutherbibel 1984

“Warum geht man fort? So daß man wiederkommen kann. So daß man den Ort, von dem man herkommt, mit neuen Augen und mit extra Farbe sehen kann. Und die Menschen dort sehen dich auch in einem anderen Licht. Dorthin zurückzukehren, wo man herkam, ist nicht dasselbe, als nie wegzugehen.“

Terry Pratchett, A Hat Full of Sky, übersetzt von K. Weidmann

Als eine deutsche Einwanderin in der USA kann ich die Worte, die Terry Pratchett in seinem Buch ‘A Hat full of sky’ benutzt, sehr gut nachvollziehen. Das Gewohnte zu verlassen und in einem anderen Teil der erde neu anzufangen, hat einen enormen Einfluß auf mich gehabt, und meine Perspektive verändert. Ich habe meinen Horizont wahrhaft erweitert, und ich muß schon sagen, daß ich mich verändert habe. Dies wird mir immer besonders deutlich, wenn ich nach Deutschland zurückkehre, um Familie und Freunde zu besuchen, und mir anhören muß, wie ‚amerikanisch‘ ich doch geworden bin (was immer das auch heißt).

Ich hoffe natürlich, daß die Veränderungen, die ich durchgemacht habe, ein Zeichen der Reife sind. Und Reife ist nichts anderes als die Fähigkeit, Dinge von verschiedenen Perspektiven zu sehen und ein übergreifenderes Verständis von der Welt zu haben; zu verstehen, daß unsere persönliche Erfahrung nicht der Nabel der Welt ist, sondern lediglich einen minimalen Bruchteil der gesamten menschlicheh Erfahrung darstellt. Und hoffentlich werden wir dann auch weniger egoistisch, und öffnen uns den Nöten und Bedürfnissen anderer.

Jede Reise ist auch die Erfahrung des ungewohnten und somit eine Gelegenheit, zu wachsen us zu reifen, und mit einem Sinnes- uns Herzenswandel wieder zurückzukommen. Jede Reise gibt uns die Gelegenheit, eine bessere Perspektive der Dinge, die uns vertraut sind, zu gewinnen – wir mögen dabei auch eine größere Wertschätzung der Dinge, die wir haben, erfahren, oder aber auch erkennen, welche der Dinge, die uns so vertraut sind, wir vielleicht gar nicht so gerne mögen.

Wenn wir uns auf eine Reise durch die Passionszeit begeben, dann lassen wir einige de runs vertrauten Dinge hinter uns zurück, und öffnen uns dem Abenteuer der ungewohnten und vielleicht auch überaschenden Erfahrungen, die uns auf dem Weg widerfahren. Mit Jeses den Weg durch Leiden uns Tod zu gehen, bedeutet, daß wir an Orte gelangen, die wir eigentlich lieber vermeiden würden. Doch diese Reise hat das Potential, unsere Perspektive zu verändern, uns im Reifeprozeß zu helfen, und uns zu unseren Ursprüngen mit einer neuen Wertschätzung für das, was wir haben, zurückkehren zu lassen. Diese Reise mag uns auch erkennen lassen, welche der alten Dinge wir lieber zurücklassen. Diese Einladung, jedes Jahr auf die Reise durch die Passionszeit zu gehen, ist somit ein Geschenk Gottes.

Warum gehen wir fort? So daß wir zurückkommen und das Geschank neuer Erfahrungen und Einsichten, die wir auf dem Weg gesammelt haben, anderen mitzuteilen. Dorthin zurückzukehren, wo man herkam, ist nicht dasselbe, als nie wegzugehen – wir werden durch die leidenschaftliche Liebe Gottes verwandelt, die wir in Jesu Leiden und Tod am Kreuz erkennen.

 

 

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