Ansprache Heiligabend 2014

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Alle Jahre wieder singen wir die Weihnachtslieder, die von Friede und Freud sprechen.  Oh du fröhliche, oh du selige, gandenbringende Weihnachtszeit.  Und ich denke, viele versuchen zu den Weihnachststagen, diesen Frieden und diese Freude zu beschwören; und wir versuchen, all das zu verdrängen, was nicht in die Friede und Freud Kategorie past.  Zumindest einmal im Jahr, ganz zurecht, wie ich meine, sehnen wir uns nach etwas, das besonders ist: Zeit mit der Familie, Harmonie, einfach die Freude und Fröhlichkeit zu spüren, Geschenke zu machen und Geschenke zu empfangen.  Zumindest einmal im Jahr wollen wir den Engelschören glauben, daß durch die Geburt Jesu  Friede und Wohlgefallen in diese Welt einkehren.

Aber dann fällt es mir und vielen anderen schwer, die schweren Gedanken aus dieser fröhlichen und seligen Weihnachtszeit auszusperren. Z.B. ist für viele, die einen lieben Menschen verloren haben, diese Zeit des Jahres besonders schwer.  Und dann gibt es einfach zuviele schreckliche Botschaften, die der frohen Botschaft vom Kommen Gottes in unsere Welt entgegenstehen. Allein in der letzten Woche haben wir Nachrichten aus Pakistan, Australien, und New York City gehört, die uns nur übel werden lassen.  Und dies sind nur ganz wenige der Plätze in dieser Welt, in denen Gewalt und Unfriede zu finden waren.  In vielen der Kommunen hier in der Bay Area ist Gewalt leider an der Tagesornung und wird kaum noch in den Nachrichten erwähnt.  So ist es nun einmal.  Und es ist schlimm.

Fröhlich?  Selig?  Wohl kaum.  Wir können nicht vorgeben, dass die Welt innehält und Gewalt und Spannungen eine Pause einlegen, auch nicht fuer eine heilge Nacht.

Aber, wenn wir genauer darüber nachdenken, dann müssen wir zugeben, daß es bei Weihnachten nicht darum geht, dass alles in Ordnung ist mir dieser Welt, und dass wir tagtäglich Friede, Freud, und Seligkeit erfahren.  Der Prophet Jesajah sagt: ‚Das Volk, das im Dunkeln wandelt, sieht ein helles Licht.‘  Zu der Zeit, als Jesus geboren wurde, beherrschten die Römer Judea und Galilea, oft mit eiserner und brutaler Hand.  Jesus wurde mehr oder weniger am Strassenrand geboren, fern von der Heimat, fern von einer Familie, die Maria und Josef hätte unterstützen koennen.  Schon bald nach dieser Geburt muß die heilige Familie fliehen, um dem Wahn und der Machtgier Herodes’ zu entgehen.  Bethlehem wird von einer Welle der Gewalt erfasst, die viele Eltern um ihre Kinder weinen läßt.

Wie sehr wir auch versuchen, die Geburt in einem Stall als friedvoll und idyllisch darzustellen – sie war’s nicht.  Gottes Kommen in diese Welt war und ist immer noch ein Kommen in eine Welt des Chaos, der Unsicherheit, der Furcht.

Die Welt war nicht perfekt, in jener heiligen Nacht vor mehr als 2000 Jahren.  Wenn sie es gewesen wäre – warum hätte die Welt diesen drastischen Eingriff Gottes gebraucht, warum hätte die Welt einen Erlöser, einen Erretter, gebraucht?  Unsere Welt ist auch heute nicht perfekt.  Ja, ab und zu sehen wir das Reich Gottes in unsere Wirklichkeit einbrechen – wenn wir sehen, wie Menschen aus Liebe und Mitgefühl handeln und ihren Mitmenschen zu Gerechtigkeit und einem würdigeren Leben verhelfen, dann erhaschen wir einen  Blick auf eine Welt wie sie sein könnte, eine Welt wie Gott sie ursprünglich geschaffen hat.  Aber dann passieren Dinge wie in Pakistan oder New York City, und wir werden schmerzlich daran erinnert, dass Schlimmes immer noch geschieht, und das viel zu oft.  Wir sehnen uns immer noch nach einem Erlöser.  Wir brauchen immer noch einen Erlöser.  Wir hören nicht auf, uns nach einer Welt zu sehnen, die von Gott auf den Kopf gestellt wird und in der Mensch und Kreatur in Einklang leben.  Und wir hoffen auf diese Welt, die von Gott auf den Kopf gestellt wird.  Es ist uns möglich, zu hoffen, weil wir das Kind in der Krippe gesehen haben, Gottes  Sohn, der den Mächten dieser Welt widerstanden hat.

Und so sind dieses Sehnen und diese Hoffnung dann auch der Herzstück  des Weihnachtswunders.  Hinter dem Kind in der Krippe versteckt sich Gott, der sich seinerseits nach einer Versöhnung mit der Menschheit sehnt.  Weihnachten ist eine Zeit der Sehnsucht  – der Sehnsucht nach Friede und Freud, nach Fröhlichkeit und Seliggkeit, der Sehnsucht nach einer gerechteren, einer besseren, Welt.  Und ich denke, diese Sehnsucht ist unsere Sehnsucht, aber auch Gottes Sehnsucht.  Und so scheint das Licht der Hoffnung und der Sehnsucht in der Finsternis.

Heute feiern wir dieses Licht in der Finsternis.  Nicht alles mag so fröhlich und so selig sein – aber wir wissen, dass God auf unserer Seite ist und die Sehnsucht mit uns teilt.  Das Kind in der Krippe ist der Beweis.

Deshalb können wir uns heute freuen und fröhlich sein, auch wenn es immer noch Trauer und Leiden in der Welt und in unserem Leben gibt.  Deshalb können wir uns freuen, auch wenn wir noch viel Dunkelheit in dieser Welt erfahren.  Christus wird heute geboren.  Das Licht kommt in die Welt. Liebe und Gnade sind die wertvollen Geschenke, die Gott uns mitbringts, und niemand kann diese von uns nehmen.  Fürchtet Euch nicht.  Ein Sohn ist euch gegeben worden – Gott ist mit Euch.  In dieser heiligen Nacht – und immerdar.  Es gibt Hoffnung für diese Welt.  Und wir sind die Träger dieser Hoffnung – wir sind die Träger des Lichts, das heute in der Dunklehiet leuchtet. Mögen wir nie vergessen, das Licht und die Hoffnung dieser heiligen Nacht in die Welt weiterzutragen.

Amen.

 

 

 

 

 

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