Reflektion zur Passionszeit; 7. März 2016 – Veränderungen

 

 

butterfly

Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde;  belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat. Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.

Kolosser 3,8-11, Lutherbibel 1984

Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“, sagte Herr K. und erbleichte.

Bertholt Brecht, ‘Wiedersehen’

Vor ein paar Jahren erhielt ich eine Einladung zum 25sten Abitreffen des Gymnasiums, das ich seinerzeit besuchte. Diese Einladung erreichte mich, als ich gerade erst von einem Besuch aus Deutschland zurückgekehrt war, also konnte ich nicht schon wieder gen Deutschland resien. Aber über Emails bekam ich dann Fotos dieses Jahrgangstreffens zugeschickt. Als ich mir die Bilder so anschaute, erkannte ich einige meiner ehemaligen Mitschüler und Mitschülerinnen sofort – ihre äußere Erscheinung hatte sich wenig über die Jahre verändert. Aber dann gab es Bildern von Leuten, wo ich zweimal hinsehen mußte – könnte dies soundso sein? Aber dann sah ich dieselbe Person in einem anderen Bild und mußte feststellen, daß ich falsch gelegen hatte und es doch jemand anderes war. Und dann gab es da Bilder von Leuten, die ich überhaupt nicht erkennen konnte – was mich irgendwie überaschte und frustriete, denn mein Jahrgang war nicht sehr groß, und ich dachte, daß ich eigentlich in der Lage sein sollte, jede und jeden zu identifizieren.

Nun denke ich, daß ich, wenn ich diese Leute persönlich wiedergetroffen hätte, sie vielleicht an ihrer Stimme oder ihren Gebärden wiedererkannt hätte. Doch hat mich dieses Erlebnis dazu angeregt, darüber nachzudenken, wie wir uns verändern – oder auch nicht.

Natürlich ist keine oder keiner meiner ehemaligen Mitschüler und Mitschülerinnen der- oder diesselbe, egal, ob sie sich ihr jugendliches Aussehen irgendwie bewahrt haben. Wir sind alle unsere verschiedenen Wege gegangen, und sind heute Pastorinnen, Ärztinnen, Wissenschaftlerinnen, Politiker, Anwälte, Lehrer, Mütter und Väter. Wir alle haben Erfahrungen gemacht, die uns zu den Menschen machten, die wir heute sind. Und dann werden wir natürlich auch weiterhin reifen und durch unsere zukünftigen Lebenserfahrungen geformt werden. Und ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich möchte nicht noch einmal 18 sein…

Wir mögen uns an der Geschichte von Peter Pan erfreuen – des Jungen, der beschloß, nie erwachsen zu werden. Doch wissen wir alle auch, daß es nicht einfach ist, mit Menschen zu leben, die sich weigern, erwachsen zu werden und zu handeln. Nein, wir wollen nicht unverändert bleiben. Und ich persönlich hoffe, daß  jemand, der mich nach vielen Jahren wiedersieht, mir sagen würde, daß ich mich verändert haben (obwohl ich mich, wie viele andere auch, geschmeichelt fühle, wenn mir jemand sagt, daß mein Äußeres sich nicht wesentlich verändert hat).

Wenn Sie die Bibel lesen, dann werden Sie viele Passagen finden, die deutlich machen, daß Gott will, daß wir wachsen und reifen. Von den Warnungen der Propheten im Alten Testament über die  Lehren Jesu bis hin zu den Ermahnungen des Apostels Paulus in seinen Briefen an die jungen christlichen Gemeinden: Gott ruft uns immer wieder dazu auf, unsere Herzen und Sinne zu wandeln, und im Glauben und christlichem Lebenswandel zu wachsen und zu reifen. Unsere Veränderung, unsere Transformation beginnt am Tag unserer Taufe – wir werden eins in Jesus Christus, wie Paulus sagt – doch hat es schon seine Gründe, warum wir Eltern und Paten eines Täuflings fragen, das Kind im Glauben zu erziehen, es zur Kirche zu bringen, usw., kurzum: dem Kind dabei zu helfen, im Glauben zu reifen. Wir sind dazu geschaffen, zu wachsen, uns zu verändern und zu reifen. Wir können nicht uns sollen auch nicht  wie Peter Pan im Glauben sein. In Christus und durch Christus bleiben wir nie diesselben.

 

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