Reflektion zur Passionszeit
‘Die Anker unseres Glaubens’
Dieses Jahr moechte ich ueber die ‘Anker’ unseres christlichen Glaubens reflektieren. Was macht unseren Glauben aus? Was sind die Kernbegriffe?

Diese Woche: HINGABE

Reflektion zur Passionszeit
‘Die Anker unseres Glaubens’
Dieses Jahr moechte ich ueber die ‘Anker’ unseres christlichen Glaubens reflektieren. Was macht unseren Glauben aus? Was sind die Kernbegriffe?

Diese Woche: HINGABE

Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum groβen Volk machen und will dich segnen und dir einen groβen Namen machen, und du sollst ein Segen sein…Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte. 1. Mose 12, 1-2, 4a, Lutherbibel 1984

Allen Verӓnderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas Melancholisches an; denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück; wir müssen in einem Leben sterben, bevor ein anderes beginnen kӧnnen. Anatole France, Lyriker (1844-1924)

Ich muss gestehen: seitdem ich in Kalifornien lebe, vermisse ich den deutlichen Wechsel der Jahreszeiten, und vor allem den Herbst. Ich verlieβ Norddeutschland im November 1997 und erinnere mich an die prachtvollen Farben der Bӓume und Blӓtter in jenem Herbst. Und trotz – oder vielleicht gerade wegen der Schӧnheit des Herbstes – war meine Stimmung schwermütig. Es fiel mir schwer, mein gewohntes Leben, Freunde und Familie zurückzulassen, um in eine ungewisse und, wie sich dann spӓter herausstellte, auch schwierige Zukunft zu gehen. Und so spiegelte das fallende Laub auch meine Trauer wieder. Die Kirchengemeinde, in der ich damals im Vikariat war, verabschiedete mich herzlich. Ich bekam einen Schinken geschenkt, den ich leider nicht in die USA einführen durfte, aber dann auch ein Geschenk, das mir seitdem viel Kraft und Trost gespendet hat: ein bronzenes Kreuz, das gerade mal in meine Hand paβt. Im stilisierten Relief sind Christus und zwei Jünger zu erkennen, die das Brot brechen. Und drumherum stehen die Worte: Ich bin bei euch.
Der Zug in ein neues Land ist eine radikale Verӓnderung: andere Lӓnder, andere Sitten, andere Sprache, andere Umgangsformen. Trotz meines Englisch Leistungskurses im Gymnasium hatte ich anfangs Probleme mit der amerikanischen Umgangssprache. Das hektische Groβstadtleben, die offene Armut allerorten, und die Tatsache, daβ hier wirklich Menschen aus aller Herren Lӓnder und leben, war sehr gewӧhnungsbedürftig. Selbst Kirche in der neuen Heimat war so fremd. Doch in alledem erinnerte ich mich an das Geschenk meiner Kirchengemeinde in Deutschland, an den Trost, das Versprechen, den Segen: Ich bin bei euch. Gott hat mich auf meiner Reise in ein neues Leben nicht verlassen. Gott war bei mir, als ich mir mühsam ein neues Leben aufbaute. Gott war bei mir in all den dunklen Stunden, meinen Frustrationen, in Phasen der Mutlosigkeit. Und irgendwann konnte ich Gott auch wieder in der Kirche erkennen und erfahren: in den Liedern und Gebeten, die irgendwann vertraut wurden; in einem Predigtstil, den ich so noch nicht in Deutschland erlebt hatte; in der herzlichen Gemeinschaft der Menschen, die das Brot mit mir brachen. Wir suchen uns nicht immer unsere Lebensumstӓnde aus. Oft müssen wir Kompromisse eingehen oder Neues wagen. Wir müssen uns mit Dingen auseinandersetzen, die uns unangenehm sind. Mӧgen wir uns immer daran erinnern, daβ Christus uns das Versprechen gegeben hat, bei uns zu sein bis zum Ende aller Tage. Und dies schlieβt alle Tage in diesem oft abenteuerlichen und ungewissen Leben mit ein.

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