Wochenreflektion in der Passionszeit: “Im Schatten des Kreuzes”; 1. April 2015

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“Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.”

Matthäus 28,20b, Lutherbibel 1984

Das Kreuz, das Sie im Bild sehen, hat eine besondere Bdeutung für mich. Dieses Kreuz ist ein Geschenk der St. Mariengemeinde in Großenkneten in Nordeeutschland, und wurde mir im November 1997 zum Abschied überreicht. Ein gutes Jahr lang hatte ich in der Gemeinde als Vikarin gedient.  Ich hatte ihre Mitglieder kennen- und liebengelernt, ich hatte an den Freuden und Leiden der Menschen teilgenommen. Es war schwer, Abschied zu nehmen.

Und es war nicht nur ein Abschied von dieser Gemeinde – nein, in ein paar Tagen würde ich mein Heimatlend verlassen, und auf eine Reise ins Unbekannte gehen. Meine Familie und ich zogen nach Kalifornien, und ich hatte keine Ahnung, wie mein Leben in diesem neuen Land aussehen würde.  Ich hatte viele Stimmungsschwankungen, von Neugierde und Aufregung bi shin zu Trauer und Furcht.

Und dann gaben mir die Leute, die die Abschiedsfeier für mich organisiert hatten, ein kleines Päckchen, gerade klein genug, um bequem in eine Hand zu passen. Dieses Päckchen enthielt das bronzene Kreuz. Die folgenden Worte sind zu lesen: ‚Ich bin bei euch.‘ Und das Relief in der Mitte zeigt Jesus, wie er das Brot mit zwei Jüngern teilt.

Dieses Geschenk berührte mich sehr – diese Menschen, die mir ans Herz gewachsen waren und mir viel bedeuteten, zeigten mir so auf ihre Weise, daß auch ich ihnen wichtig war. Und sie kannten mich gut genug, um mich mir diesem Versprechen auf den Weg zu senden: ‚Ich bin bei euch.‘  ich kann Ihnen nicht sagen, wieviel Trost mir dieses Versprechen seitdem gegeben hat, gerade am Anfang meiner Zeit in einem neuen Land. Ich kann Ihnen nicht sagen, wieviel Trost mir dieses Versprechen gegeben hat, in Zeiten der Einsamkeit und des Heimwehs, in schwierigen Zeiten, in Zeiten, in denen ich mich orientierungslos fühlte.

Wo immer wir auch hingehen, Gott ist an unserer Seite. Gott wird uns nicht im Stich lassen, egal, was wir tun oder lassen. Das Kreuz ist das Symbol Gottes erstaunlicher Liebe für uns. Einer Liebe, die das Versprechen Gottes in sich trägt, daß er bei uns sein wird, bis an das Ende aller Tage – auch auf all jenen Wegen, die Sackgassen sind.

Die Mitglieder der Gemeinde in Großenkneten erinnerten mich durch ihr Geschenk an dieses Versprechen – und so möchte ich Sie heute daran erinnern: Gott ist bei Euch. Und weder Tod noch Leben, noch irgendetwas im Himmel oder auf Erden kann Euch von der Liebe Gottes in Christus Jesus trennen.

Diese Woche möchte ich Sie einladen, einen Stein mit einem Dankgebet am Fuße des Kreuzes niederzulegen: wen oder was hat Gott in Ihr Leben gesandt , um Sie an Gottes Gegenwart zu erinnern? Wie können Sie die Erfüllung dieses Versprechens von Gottes Gegenwart für jemanden anderes sein?

Mögen Sie sich immer daran erinnern, auf dem schwierigen Weg durch die Passionszeit und Karwoche als auch auf dem manchmal schwierigen Lebensweg, daß Gott bei Ihnen ist, Schritt für Schritt.

 

 

 

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